Wenn die Flugzeuge schlafen: So arbeitet der Flughafen Zürich durch die Nacht
Am Flughafen Zürich endet der reguläre Flugverkehr am späten Abend – der Flughafen selbst kommt deshalb aber noch lange nicht zur Ruhe. Während zwischen 23.30 und 06.00 Uhr grundsätzlich keine regulären Starts und Landungen stattfinden, laufen Reinigung, Technik, Unterhalt, Sicherheitsaufgaben und im Winter auch die Schneeräumung weiter. Hinter den Kulissen ist der Flughafen deshalb tatsächlich fast rund um die Uhr in Betrieb.
Die Betriebszeiten für den regulären Flugverkehr liegen offiziell zwischen 06.00 und 23.30 Uhr. Starts dürfen grundsätzlich nur bis 22.45 Uhr, Landungen bis 22.55 Uhr geplant werden. Die Zeit zwischen 23.00 und 23.30 Uhr ist ausschliesslich für den bewilligungsfreien Abbau von Verspätungen vorgesehen. Danach gilt die Nachtflugsperre, wobei Notfälle und bestimmte Sonderflüge ausgenommen sind.
Genau diese ruhigeren Stunden werden für Arbeiten genutzt, die während des intensiven Tagesbetriebs nur eingeschränkt möglich wären. Pisten, Rollwege und Vorfelder werden kontrolliert und repariert, Gebäude gereinigt und technische Anlagen gewartet. Bereits ein Blick auf die laufenden Betriebskosten zeigt, wie gross dieser unsichtbare Apparat ist: Der Flughafen Zürich verursacht pro Betriebstag Kosten in einer Grössenordnung von rund 1,58 Millionen Franken.
Nach dem letzten Flug beginnt die nächste Arbeitsschicht
Für viele Passagiere wirkt ein Flughafen nachts beinahe still. Tatsächlich verschiebt sich die Arbeit aber lediglich.
Besonders gut sichtbar ist das bei den Flugbetriebsflächen. Pisten, Rollwege und Vorfelder werden täglich stark belastet. Asphalt, Betonfugen, Markierungen, Beleuchtungen und technische Einrichtungen müssen deshalb laufend kontrolliert und instand gehalten werden.
Die Flughafen Zürich AG weist ausdrücklich darauf hin, dass gewisse Bau- und Unterhaltsarbeiten nur in der Nacht ausgeführt werden können. Der Grund ist einfach: Tagsüber würden Sperrungen den laufenden Flugverkehr stark beeinträchtigen.
Zwischen April und Oktober 2026 werden beispielsweise verschiedene Flugbetriebsflächen saniert. Auch Arbeiten an der Piste 16/34 finden teilweise während der nächtlichen Betriebspause statt.
Die Reinigung beginnt teilweise schon um 03.00 Uhr
Auch bei der Sauberkeit gibt es kaum eine echte Ruhephase.
Mitarbeitende der Flächenreinigung sind laut Flughafen Zürich an 365 Tagen im Jahr zwischen 03.00 und 22.00 Uhr im Einsatz. Sie reinigen unter anderem Flughafenstrassen, Betriebsflächen, Parkhäuser, Zugänge und Nottreppenhäuser.
Parallel dazu läuft die Gebäudereinigung in den Terminals.
Der Flughafen setzt inzwischen zusätzlich auf autonome Reinigungsroboter. Bis Herbst 2025 wurden 26 Geräte vorgesehen, die täglich rund 120’000 Quadratmeter in Check-in-Bereichen, Terminals und Aufenthaltszonen reinigen können.
Die Roboter können bis zu 24 Stunden selbstständig arbeiten, Hindernissen ausweichen, Schmutzwasser entleeren und sich eigenständig wieder aufladen.
Unterstützt wird die Technik durch ein Reinigungsteam von rund 300 Mitarbeitenden.
Auch Flugzeuge werden nachts intensiver gereinigt
Nicht nur das Flughafengebäude selbst wird gereinigt.
Bei Flugzeugen laufen zwischen Ankunft und Abflug zahlreiche Arbeiten gleichzeitig: Gepäck wird entladen, Catering ausgetauscht, die Kabine gereinigt, Toilettentanks geleert und Trinkwasser ergänzt.
Bei kurzen Bodenzeiten bleibt dafür oft nur wenig Zeit.
Gründlichere Reinigungen werden deshalb häufig dann durchgeführt, wenn ein Flugzeug über Nacht am Heimatflughafen bleibt. Gerade nachts entstehen damit Zeitfenster für Arbeiten, die während eines kurzen Turnarounds kaum möglich wären.
Winterdienst kann tatsächlich 24 Stunden bereitstehen
Besonders deutlich wird der Rund-um-die-Uhr-Betrieb im Winter.
Von Oktober bis April ist die Winterdienstorganisation des Flughafens permanent einsatzbereit. Rund 140 Mitarbeitende der Flughafen Zürich AG und etwa 160 Mitarbeitende externer Partner stehen dafür auf Pikett.
Sie können Tag und Nacht aufgeboten werden.
Geräumt werden nicht nur die Pisten, sondern auch Rollwege, Standplätze, Betriebsstrassen und weitere Verkehrsflächen.
Wer im Winterdienst eingeteilt ist, muss im Pikettfall teilweise innerhalb einer Stunde einsatzbereit sein.
Technik und Sicherheit schlafen ebenfalls nicht
Zu einem Flughafen gehören zudem zahlreiche Systeme, die auch während der Nacht überwacht und betriebsbereit gehalten werden müssen.
Dazu zählen unter anderem Energieversorgung, Beleuchtung, Gepäckanlagen, Lifte, Rolltreppen, Kommunikationssysteme, Entsorgung, Abwasseranlagen und sicherheitsrelevante Einrichtungen.
Auch wenn keine regulären Passagierflüge starten, kann der Flughafen deshalb nicht einfach abgeschaltet werden.
Notlandungen, Ambulanzflüge, Polizei- und Rettungsflüge sowie weitere bewilligte Spezialflüge können auch ausserhalb der normalen Betriebszeiten stattfinden.
Der Flughafen schläft eigentlich nie ganz
Der treffendste Vergleich ist deshalb: Der Flugplan macht nachts Pause, der Flughafenbetrieb aber nicht.
Zwischen dem letzten regulären Flug am Abend und den ersten Abflügen am Morgen entsteht vielmehr eines der wichtigsten Arbeitsfenster des gesamten Tages.
In diesen Stunden wird gereinigt, repariert, kontrolliert, geräumt und vorbereitet.
Wenn gegen 06.00 Uhr die ersten regulären Flugbewegungen beginnen, hat ein grosser Teil der Belegschaft bereits mehrere Stunden Arbeit hinter sich.
Der Flughafen Zürich ist deshalb zwar kein klassischer 24-Stunden-Flughafen für den Linienverkehr – als Infrastruktur- und Arbeitsbetrieb funktioniert er jedoch nahezu rund um die Uhr.
Die Nacht gehört den Helfern am Boden
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert