Wer bezahlt unsere Sicherheit? So wird Schutz in der Schweiz finanziert

Sicherheit kostet Geld – und in der Schweiz wird diese Rechnung auf mehrere Ebenen verteilt. Bund, Kantone und Gemeinden finanzieren gemeinsam Polizei, Armee, Bevölkerungsschutz, Grenzsicherung, Nachrichtendienst und Cyberabwehr. Wer welchen Teil bezahlt, hängt stark davon ab, wer für die jeweilige Aufgabe zuständig ist.

Die Schweiz besitzt keine nationale Einheitspolizei. Für die öffentliche Ordnung sind in erster Linie Gemeinde-, Stadt- und Kantonspolizeien zuständig. Entsprechend tragen Kantone und Gemeinden einen erheblichen Teil der Kosten für die innere Sicherheit. Der Bund übernimmt dagegen vor allem nationale Aufgaben wie militärische Landesverteidigung, Grenzkontrollen, fedpol, Nachrichtendienst und bestimmte Bereiche des Bevölkerungsschutzes.

Wie gross diese Ausgaben sind, zeigt die Bundesrechnung: Allein der Bund gab 2025 rund 7,2 Milliarden Franken für den Aufgabenbereich Sicherheit aus. Fast 6 Milliarden davon entfielen auf die militärische Landesverteidigung. Gleichzeitig wächst der finanzielle Bedarf weiter, weil Armee, Cyberabwehr, Grenzsicherung und Krisenvorsorge ausgebaut werden.

Die wichtigste Finanzierungsquelle sind Steuern

Der grösste Teil der staatlichen Sicherheitsausgaben wird aus allgemeinen Steuereinnahmen finanziert.

Das bedeutet: Für die Polizei, die Armee oder den Bevölkerungsschutz gibt es in der Regel keine separate "Sicherheitssteuer". Bund, Kantone und Gemeinden stellen die notwendigen Mittel über ihre ordentlichen Haushalte bereit.

Beim Bund fliessen dafür unter anderem Einnahmen aus der direkten Bundessteuer, der Mehrwertsteuer und weiteren Abgaben in den Gesamthaushalt. Das Parlament entscheidet im Rahmen des Budgets, wie viel Geld den einzelnen Sicherheitsbereichen zur Verfügung steht.

Auf kantonaler und kommunaler Ebene funktioniert es ähnlich. Dort werden Polizeikorps, Feuerwehrstrukturen oder Teile des Zivilschutzes aus den jeweiligen öffentlichen Haushalten finanziert.

Die Kantone tragen die Hauptverantwortung für die Polizei

Die Schweiz ist im Polizeiwesen stark föderal organisiert.

Es gibt keine nationale Polizei, die allen kantonalen Korps übergeordnet wäre. Jeder Kanton besitzt seine eigenen gesetzlichen Grundlagen und ist für die Polizeiarbeit auf seinem Gebiet verantwortlich.

Hinzu kommen Stadt- und Gemeindepolizeien.

Der Bund tritt vor allem dort auf, wo Aufgaben nationale oder internationale Dimensionen haben. Das Bundesamt für Polizei fedpol bearbeitet beispielsweise Fälle in Bundeskompetenz, koordiniert internationale Zusammenarbeit und unterstützt bei Terrorismus, organisierter Kriminalität und komplexen grenzüberschreitenden Verfahren.

Wer verstehen will, weshalb die Sicherheitsstrukturen in der Schweiz so breit aufgeteilt sind, findet dazu auch im Beitrag zum Bevölkerungsschutz und zur Sicherheitsorganisation in der Schweiz weitere Hintergründe.

Die Armee ist der grösste Sicherheitsposten des Bundes

Beim Bund dominiert die militärische Landesverteidigung die Sicherheitsausgaben deutlich.

2025 beliefen sich die gesamten Bundesausgaben für Sicherheit auf rund 7,184 Milliarden Franken. Davon gingen rund 5,994 Milliarden Franken an die militärische Landesverteidigung.

Der Rest verteilte sich unter anderem auf Polizei, Strafvollzug, Nachrichtendienst, Bevölkerungsschutz, Zivildienst und Grenzkontrollen.

Dieser Anteil wird in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter wachsen.

Für 2027 sind im Bundeshaushalt bereits rund 8,184 Milliarden Franken für Sicherheit vorgesehen. Mehr als 80 Prozent davon sollen wiederum in die militärische Landesverteidigung fliessen.

Der Bund plant zudem, die Armeeausgaben bis 2032 auf ein Niveau von einem Prozent des Bruttoinlandprodukts anzuheben.

Bevölkerungsschutz wird gemeinsam finanziert

Beim Bevölkerungsschutz teilen sich Bund, Kantone und Gemeinden die Verantwortung.

Der Bund finanziert und koordiniert unter anderem nationale Systeme zur Warnung und Alarmierung, Teile der Infrastruktur, Ausbildungsgrundlagen und bestimmte technische Systeme.

Die Kantone organisieren dagegen grosse Teile des Zivilschutzes, der Führungsstrukturen und der regionalen Einsatzorganisationen.

Auch Gemeinden übernehmen je nach Kanton Aufgaben und Kosten.

Dieses Modell zeigt besonders deutlich, wie stark Sicherheit in der Schweiz als Verbundaufgabe verstanden wird.

Bei Naturereignissen, Strommangellagen, Pandemien oder anderen Krisen greifen deshalb mehrere Ebenen gleichzeitig ineinander.

Cyberabwehr wird immer wichtiger – und teurer

Ein wachsender Teil der Sicherheitsausgaben fliesst in digitale Sicherheit.

Das Bundesamt für Cybersicherheit BACS übernimmt dabei zentrale Aufgaben auf nationaler Ebene. Dazu gehören die Analyse von Cybervorfällen, die Unterstützung kritischer Infrastrukturen und die Umsetzung der nationalen Cyberstrategie.

Das Parlament hat das Budget des BACS für 2026 um 10 Millionen Franken erhöht. Ab 2027 kommen nochmals zusätzliche Mittel hinzu.

Der Grund liegt auf der Hand: Angriffe auf Verwaltungen, Unternehmen, Energieversorger, Spitäler oder Kommunikationssysteme können heute erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Schäden verursachen.

Cyberabwehr ist damit längst keine reine IT-Aufgabe mehr, sondern ein Bestandteil der nationalen Sicherheitsvorsorge.

Auch besondere Sicherheitslagen kosten zusätzlich

Nicht jede Sicherheitsausgabe lässt sich im normalen Betrieb abdecken.

Bei internationalen Konferenzen, besonders gefährdeten Veranstaltungen oder ausserordentlichen Einsatzlagen können erhebliche Zusatzkosten entstehen.

In solchen Fällen ist möglich, dass sich der Bund an den zusätzlichen Kosten der Kantone beteiligt.

Dabei wird jeweils geprüft, welche Aufwendungen tatsächlich ausserordentlich sind und welche ohnehin zum normalen Polizeibetrieb gehören.

Ähnliche Fragen stellen sich bei Grossveranstaltungen, internationalen Gipfeltreffen oder besonders aufwendigen Schutzmassnahmen.

Gebühren decken nur einen kleinen Teil

Ein Teil der Sicherheitskosten kann direkt verursachergerecht verrechnet werden.

Dazu gehören beispielsweise bestimmte Polizeieinsätze, Bewilligungen, Sicherheitsdienste bei Veranstaltungen oder administrative Leistungen.

Solche Gebühren spielen im Vergleich zu den gesamten Sicherheitsausgaben aber nur eine begrenzte Rolle.

Die Grundversorgung bleibt eine staatliche Aufgabe.

Niemand erhält beispielsweise eine Rechnung für einen normalen Notruf oder dafür, dass Polizeipatrouillen ein Quartier überwachen.

Sicherheit ist eine dauerhafte staatliche Investition

Die Finanzierung von Sicherheit ist deshalb weniger eine einzelne Budgetposition als ein Geflecht aus verschiedenen Aufgaben und Zuständigkeiten.

Polizei, Feuerwehr, Armee, Grenzschutz, Nachrichtendienst, Zivilschutz und Cyberabwehr funktionieren nur, wenn Infrastruktur, Personal, Ausbildung und Technik langfristig finanziert werden.

Gleichzeitig verändern sich die Risiken.

Während klassische Kriminalität und Naturgefahren bestehen bleiben, kommen Cyberangriffe, hybride Bedrohungen und zunehmende Anforderungen an kritische Infrastruktur hinzu.

Die Sicherheitsausgaben dürften deshalb in den kommenden Jahren eher steigen als sinken.

🛡️ WER FINANZIERT WAS?

  • Bund: Armee, Grenzsicherung, fedpol, Nachrichtendienst, nationale Cyberabwehr und Teile des Bevölkerungsschutzes.
  • Kantone: Kantonspolizei, grosse Teile des Zivilschutzes, Strafvollzug und kantonale Sicherheitsorganisationen.
  • Gemeinden: je nach Kanton Stadt- und Gemeindepolizei, Feuerwehr sowie lokale Sicherheits- und Schutzaufgaben.
  • Gebühren: können bei bestimmten Leistungen oder besonderen Einsätzen anfallen, decken aber nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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