Martinsloch in Elm: Ende September öffnet sich wieder das Sonnenfenster im Fels
Ende September richtet sich der Blick in Elm wieder hinauf zu den Tschingelhörnern. Am 29. und 30. September 2026 scheint die Sonne für wenige Minuten durch das Martinsloch und wird vom Dorf aus durch das natürliche Felsenfenster sichtbar. Das Zusammenspiel von Landschaft, Astronomie und Geologie gehört zu den bekanntesten Naturereignissen des Glarnerlands.
Das eigentliche Sonnenereignis ist für Dienstag, 29. September, und Mittwoch, 30. September 2026 angekündigt. Am 29. September ist die Sonne um etwa 09.29 Uhr durch das Martinsloch zu sehen, am folgenden Morgen um etwa 09.32 Uhr. Voraussetzung ist allerdings freie Sicht: Wolken oder Nebel vor den Tschingelhörnern können das nur wenige Minuten dauernde Schauspiel vollständig verdecken.
Auch an den Tagen unmittelbar davor und danach kann die Sonne durch das Felsenfenster sichtbar werden. Der optimale Beobachtungsstandort verschiebt sich dabei jedoch von Tag zu Tag etwas durch Elm.
Warum die Sonne durch den Berg scheint
Das Martinsloch liegt auf rund 2’600 Metern Höhe in den Tschingelhörnern oberhalb von Elm. Das natürliche Felsenfenster ist ungefähr 22 Meter hoch und 19 Meter breit. Dass die Sonne Ende September genau durch diese Öffnung sichtbar wird, hängt mit ihrer sich im Jahresverlauf verändernden scheinbaren Bahn am Himmel zusammen.
Durch die Neigung der Erdachse und den Umlauf der Erde um die Sonne verändert sich die Position der Sonne am Horizont im Verlauf des Jahres. An wenigen Tagen im Frühling und Herbst stimmen Sonnenstand, Martinsloch und bestimmte Beobachtungspunkte in Elm nahezu exakt überein. Noch bevor die Sonne über dem Gebirgskamm vollständig sichtbar wird, fällt ihr Licht durch die Öffnung im Fels.
Dass dieses Zusammenspiel tatsächlich beobachtet werden kann, hängt stark vom Wetter ab. Besonders tiefe Wolken, Hochnebel oder dichter Dunst können die Sicht auf die Tschingelhörner verhindern. Bei klarem Himmel hingegen dauert das eigentliche Sonnenfenster nur wenige Minuten. Dass die Sonne am Martinsloch immer wieder auch meteorologisch Beachtung findet, zeigt ein früheres Sonnenereignis am Martinsloch in Elm, das im Belmedia-Netzwerk dokumentiert wurde.
Ein Fenster in die Entstehung der Alpen
Das Martinsloch ist nicht nur astronomisch interessant. Auch seine Entstehung lässt sich geologisch erklären. Im Bereich des Felsenfensters treffen unterschiedliche Schwächezonen im Gestein aufeinander. Über sehr lange Zeit konnte die Erosion dort stärker wirken als im umgebenden Fels und so die heutige Öffnung formen.
Die Tschingelhörner gehören zur Tektonikarena Sardona, die seit 2008 zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt. Die Region ist international bekannt, weil sich hier wichtige Prozesse der Alpenbildung aussergewöhnlich deutlich erkennen lassen. Besonders markant ist die Glarner Hauptüberschiebung. Bei der Gebirgsbildung wurden ältere Gesteinsschichten über deutlich jüngere Gesteine geschoben.
Wetter entscheidet über die Sicht
Für Besucherinnen, Besucher und Fotografen ist das Sonnenereignis gerade deshalb reizvoll, weil sich das perfekte Zusammenspiel nicht garantieren lässt. Bereits eine dünne Wolkenschicht vor dem Martinsloch kann verhindern, dass die Sonnenscheibe sichtbar wird.
Wer fotografieren möchte, sollte zudem beachten, dass die Helligkeitsunterschiede zwischen dem dunklen Bergmassiv und der Sonne beträchtlich sind. Ein stabiler Standort, eine kontrollierte Belichtung und vor allem ein sicherer Sonnenfilter sind wichtig. Direktes Beobachten oder Fotografieren der Sonne ohne geeigneten Schutz kann die Augen beziehungsweise den Kamerasensor gefährden.
Auch der Mond nutzt das Felsenfenster
2026 gibt es wenige Tage vor dem Sonnenereignis noch ein weiteres Himmelsschauspiel. Am Freitag, 25. September, steht auch der Mond in einer Position, in der er vom Raum Elm aus durch das Martinsloch beobachtet werden kann. Damit wird das natürliche Felsenfenster innerhalb weniger Tage gleich zweimal zur Bühne für ein astronomisches Ereignis.
Für Elm ist das Martinsloch längst weit mehr als eine Öffnung im Fels. Es verbindet auf eindrückliche Weise die Landschaft der Tschingelhörner, die Entstehungsgeschichte der Alpen und die Bewegung von Sonne und Mond. Ende September dürfte deshalb erneut gelten: Wer das Schauspiel sehen will, braucht nicht nur den richtigen Standort und den richtigen Zeitpunkt, sondern auch etwas Wetterglück.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Der Toni/belmedia-Redaktion